Arbeitskreis Gesamtschule

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Aktuelles 2018

Unter Aktuelles 2017 haben wir die Gründe benannt, die zu den Problemen im Schulbetrieb geführt hatten. Hinzu kamen die Abschaffung des Leistungsprinzips und die Degradierung der Lehrer zu Lernbegleitern, die darüber hinaus die pädagogische Arbeit erschwerte.

Elterninitiativen bildeten sich, die von den Schulen wieder das verfassungsmäßige Recht auf Bildung für ihre Kinder einforderten.

Für dieses Anliegen hatte die rot/grüne Landesregierung kein Verständnis.

Die Landtagswahlen im Mai 2017 beendeten dann auch die schulischen Experimente.

Entgegen aller Prognosen verlor die Koalition aus SPD und GRÜNEN ihre Mehrheiten und hinterließ ein überfordertes Schulsystem.

Was war geschehen?                 Grafik

Mit dem Inklusionsgesetz hatte die Landesregierung auch die Schließung von Förderschulen beschlossen. Mit der Mindestgrößenverordnung für Förderschulen begann das "Sterben" der Förderschulen mit dem Ziel, das gemeinsame Lernen zu erzwingen.
Gemeinsames Lernen sollte jedoch an erster Stelle mit Schülern des Förderschwerpunktes Lernen stattfinden, denn diese Förderschulen wurden vorrangig geschlossen.

Gab es 2012 noch 306 Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, waren es im Jahr 2017 nur noch 121. Innerhalb von 5 Jahren wurden 185 Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen geschlossen. Von den Förderschulen mit den sechs anderen Förderschwerpunkten wurden im gleichen Zeitraum 21 Förderschulen geschlossen.

Nachweislich ging es der rot/grünen Landesregierung vorrangig um die Abschaffung der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Der Beschluss der KMK vom Okt. 1999 war dabei sehr hilfreich. Übersehen hatte man jedoch, dass die aufnehmenden allgemeinen Schulen bestimmte Voraussetzungen erfüllen mussten, um den geforderten gemeinsamen Unterricht durchführen zu können.

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.10.1999 zum Förderschwerpunkt Lernen lautet:

5.2 Sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht

Die Aufgabe der allgemeinen Schule schließt ein, Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen beim Lernen zu fördern.

Kinder und Jugendliche mit Sonderpädagogischem Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen können allgemeine Schulen besuchen, wenn für die sonderpädagogische Förderung angemessene personelle, räumliche und sächliche Voraussetzungen gegeben sind.

Diese Schülerinnen und Schüler werden nicht in allen Unterrichtsfächern nach den Lernzielen der allgemeinen Schulen unterrichtet. Die unterschiedlichen Angebote und Anforderungen entsprechen ihren individuellen Lernvoraussetzungen. Dabei sind in den Klassen mit gemeinsamem Unterricht differenzierende Formen der Planung sowie der Durchführung und der Ausgestaltung der Unterrichts- und Erziehungsprozesse in besonderem Maße erforderlich.

Gemeinsamer Unterricht ermöglicht den Kindern, im sozialen Bereich voneinander zu lernen und eine Vielzahl von Anregungen im Leistungsverhalten zu erhalten.

Aufgaben von sonderpädagogischen Lehrkräften und Lehrkräften der allgemeinen Schule sind daher:
> die Abstimmung im Hinblick auf ihr pädagogisches Handeln,
> die Gestaltung eines Klimas der gemeinsamen Verantwortung in der Lerngruppe, das von Akzeptanz und Toleranz, von Rücksichtnahme und Unterstützungsbereitschaft geprägt ist,
> eine besondere Berücksichtigung der Erlebnis- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf,
> eine Einbindung von individualisierenden und differenzierenden Maßnahmen in ein pädagogisches Gesamtkonzept der Lerngruppe,
> die Förderung der motorischen, kognitiven, sprachlichen, emotionalen und sozialen Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen,
> die Stärkung der Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern durch Förderung des Selbstvertrauens, des Selbstwertgefühls, der Leistungsbereitschaft, der Frustrationstoleranz,
> die Entwicklung und die Fortschreibung eines Förderplans,
> die gemeinsame Beratung mit den Eltern.

Spezifische Aufgaben der sonderpädagogischen Lehrkräfte betreffen

> die begleitende Diagnostik,
> die Förderprogramme für Motorik, Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit sowie sprachliches Handeln und kognitive, emotionale und soziale Entwicklung,
> die Förderung von Lernstrategien und Arbeitsorganisation,
> die Beratung für den gemeinsamen Unterricht.

5.3 Sonderpädagogische Förderung in Sonderschulen

Wenn die sonderpädagogische Förderung in der allgemeinen Schule nicht gewährleistet werden kann, werden diese Kinder und Jugendlichen in der Schule für Lernbehinderte unterrichtet. Dort wird in der Regel auf der Grundlage besonderer Lehrpläne Unterricht erteilt. Diese Pläne beziehen sich auf die Lehrpläne der allgemeinen Schulen, damit ein Wechsel der Schülerinnen und Schüler in die allgemeine Schule gegebenenfalls erreicht werden kann.

http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2000/sopale.pdf

Bei der Schließung der Förderschulen und dem daraus resultierenden Andrang von Förderschülern auf das allgemeine Schulsystem hatte die Schulministerin vorsätzlich oder fahrlässig übersehen, dass dieses Schulsystem für die Förderung von Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen nicht vorbereitet war.

Die Folgen sind bekannt.

In unserer Parteiendemokratie kann man lediglich alle fünf Jahre die poltische Arbeit der regierenden Parteien bewerten. Die chaotischen Verhältnisse in unseren Schulen führten dann auch zur Abwahl der Landesregierung. Die neue Landesregierung wurde von der CDU und der FDP gebildet. Das angerichtete Chaos in den Schulen bleibt aber bestehen.

Mit Yvonne Gebauer als Schulministerin wird nun der Schulbetrieb neu strukturiert.

In der Presseinformation vom 21 Juli 2017 teilt die Schulministerin mit, dass Förderschulen zukünftig erhalten werden sollen.

Sicherlich eine erste Maßnahme. Weitere Vorschläge weisen darauf hin, dass der angerichtete Schaden erkannt wurde. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis wieder Ruhe in den Schulen einkehrt.

Anders als mit dem Volksbegehren vor 40 Jahren gegen die Koop-Schule, haben die politischen Akteure mit der Schließung von Förderschulen Fakten geschaffen, die eine Neustrukturierung unseres Schulsystems erforderlich macht. Die neue Schulministerin ist sicherlich gut beraten, wenn sie mit den betroffenen Eltern und den unterrichtenden Lehrern eine Zusammenarbeit anstrebt. Die von der GEW gesteuerte Schulleitungsebene sollte sie mit Vorsicht betrachten.


Der Vorstand


Weiter Informationen finden sich auf unseren Internetseiten:

www.ak-gesamtschule.de        www.schulformdebatte.de        www.forum-inklusion-akgev.de